Auf dem Weg zum Sommerlager

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  • Auf dem Weg zum Sommerlager

    Aus vielen Richtungen ziehen mehrere Stämme der Ostanen zum Sommerlager der Weissen Horde am Míngjiāng, dem Vogelgesang-Fluss. Tausende von Menschen sind unterwegs und mit sich treiben sie ihre Herden in das fruchtbare Tal des Stromes. Reiter auf ihren robusten Steppenpferden halten das blökende Vieh zusammen und treiben es vorwärts, hinunter zum Fluss, während andere Reiter unterwegs sind und Kontakt zu den weiteren Stämmen suchen.

    Dem diesjährigen Sommerlager sieht man mit grosser Spannung entgegen; will man den Gerüchten Glauben schenken, soll es zu Veränderungen kommen.
  • Als erster Stamm sind die Jüün Ghar im riesigen Raum des Sommerlagers eingetroffen und sichern sich sofort die besten Weideplätze im Grossraum des Sommerlagers, welches die Form eines Bogens hat, wobei die grosse Schlaufe des Vogelgesang-Flusses den eigentlichen Bogen und die Fernstrasse CA 2 die Sehne bildet. Doch schon treffen auch die ersten Kundschafter anderer Stämme ein - der Dörböd, Khoit und anderen. Auch sie wollen gute Weideplätze und wie immer dauert es nicht lange, und es gibt den ersten Streit und wie immer schlichten die Ältesten, bevor es gar zu heftig wird.

    Denn obwohl die Herden der heranziehenden ostanischen Stämme der Weissen Horde riesig sind und niemand die Tiere zu zählen vermag (was voraussetzen würde, dass die Hirten überhaupt so weit zählen können), gibt es im Grossen Míngjiāng-Bogen genug Weideplätze für alle.
  • Von Osten nähern sich die Dörböd dem Raum des Sommerlagers. Um in denselben zu gelangen, muss allerdings die Fernstrasse CA 2 überquert werden, was aber die Hirten wenig stört. Stundenlang treiben sie die endlosen Viehherden über die Fernstrasse Richtung Westen, fangen zu Pferd auf der Schnellstrasse verlorengegangene Schafe und Ziegen ein und manchmal ein Yak. Wehe dem Autofahrer, der nicht rechtzeitig die Herden gesehen hat oder im irrigen Glauben sich befand, dass die Hirten nicht den Weg über die Strasse nehmen würden - sie sitzen stundenlang in ihren Autos fest, um sich herum blökende Viecher, und können sich glücklich schätzen, wenn die Karre nicht von einem Yakbullen als Eindringling in seine Herde angesprochen und entsprechend malträtiert wird!

    Die alte Welt der Steppennomaden kreuzt hier die moderne Industriegesellschaft und dies führt zu oft grotesken Bilder. Wenigstens ist die Polizei so schlau und setzt keine Blaulichtfahrzeuge oder gar Hubschrauber ein, was unweigerlich zu einer Stampede führen würde. Und so muss denn die moderne Welt heute den Dörböd weichen, die sich wie eine Lawine ihren Weg durch die Hindernisse der Zivilisation bahnen und wie die Natur auch Sieger bleiben.
  • Stellt sich den Dörböd im Osten auf ihrem Zug ein modernes Bauwerk in den Weg, so haben es die von Westen heranziehenden Khoit mit der Natur zu tun - sie müssen den Vogelgesangfluss überwinden, um zum Sommerlager zu gelangen.

    Doch hier bleibt die Polizei Sieger, denn sie sperrt den Khoit bei allem Verständnis für eine nomadisierende Lebensweise die Brücken über den Fluss - denn wenn man den Khoit die Brücken überlassen würde, wären diese für Tage dicht und der öffentliche Verkehr käme nicht für ein paar Stunden wie im Osten, sondern für ein paar Tage zum Erliegen, ganz abgesehen von den Schäden an den durchzogenen Ortschaften auf dem Weg zu den Brücken und von diesen wieder weg.

    So bleibt den Khoit nur die Überquerung des Flusses wie seit altersher und so treiben sie ihr Vieh in den gemählich fliessenden Strom und die Hirten schwimmen neben ihren Pferden, diese am Hals haltend mit.

    Für den Tross aber hat die Polizei eine Brücke freigemacht und darüber ziehen die Alten, die Weiber und die Kleinkinder mit den Lasttieren und den Jurten.