Yen Jay

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  • Beginnt zu lächeln und kann es nur sehr schwer unterdrücken, als die Kaiser beginnt, den Lehrbuchtext aufzusagen, der ihm aus den Bildungsplänen zu chinopischer Sozialkunde bekannt ist.

    Die meisten Völker haben keine Könige mehr, weil sie ihrer nicht mehr würdig sind.

    Und: Es ist weder Aufgabe noch Pflicht des Kindes des Himmels, auf Wünsche des Volkes einzugehen, die in Krisenzeiten geäußert werden. Unsere Welt bestimmen Kräfte, größer und ehrfurchtgebietender als alles uns Bekannte. Manchmal sind unliebsame Entscheidungen zu fällen, wenn sie dem Großen und Ganzen dienen.

    Er lächelt gelöst.

    Zwar gebietet Klugheit, dass von langer Zeit her eingeführte Regierungen nicht um leichter und vergänglicher Ursachen willen verändert werden sollen. Und die Erfahrung hat von jeher gezeigt, dass Menschen, so lang das Übel noch zu ertragen ist, lieber leiden und dulden wollen, als sich durch Umstoßung solcher Regierungsformen, zu denen sie gewöhnt sind, selbst Recht und Hilfe verschaffen.

    Er trinkt ein Schluck Chili-Wasser.

    Stand ist eine schöne Sache, wenn man einen hat. Aber in der Welt herrscht Mobilität, nicht nur lokal, sondern auch vertikal. Die meisten Menschen verstehen darunter immer nur die Aufstiegschancen und vergessen, dass auch die Gegenrichtung möglich ist. Hinzu kommt die Gläserne Decke, die einen Barriere sowohl für Auf- als auch für Abstieg darstellt. Wenn diese gläserne Decke zu einer Käseglocke wird, unter der einem langsam die Luft ausgeht, dann werden die Übel so groß, dass das Glas von den Insassen zerstört wird.

    Er schaut sich in der Halle um, während er die folgenden Worte spricht

    Der Palast ist ein Ort der Ruhe, Geduld und Langsamkeit. Der Zeitgeist ist Geschwindigkeit. Ob dieser gut oder schlecht ist, will ich gar nicht beurteilten. Aber der Palast kann sich dem Zeitgeist nicht unbegrenzt widersetzen. Die Dogmen der ruhigen Vergangenheit eignen sich nicht für unsere stürmische Gegenwart.

    Oder mit chinopischen Worten: Wenn sich zwischen einem Monarchen und seinem Volk ein Berg von Miss- und Unverständnis angehäuft hat, dann verlieren beiden Seiten sich aus den Augen.

    Er senkt den Blick wieder auf das Glas vor ihm.

    Ich hoffe, dass Euch das nicht passiert.

    Reformen jedoch sind nötig: Euer Kaiserlicher Vater hat die Verfassung nicht auf die Ordnung, sondern einzig und allein auf sich selbst zuschneiden lassen. Die Passivität der Menschen, das Entschlafen des öffentlichen Lebens sind dafür nicht nur Indizien, sondern Beweise! Seine Autorität war so groß, dass sie auch über seinen Tod nachwirkte. Es gibt sogar einen populären Mythos über die letzten Worte Eures Kaiserlichen Vaters: "Wenn euch das Ganze wohl gefallen hat, so klatscht Beifall!" - und alle Umstehenden klatschten.

    Doch das ist vorüber. Euer Vater ist verschwunden und seine Autorität ist ausgekühlt.
    Die Veränderungen, die das Volk wünscht, sind also keine neuen Zustände, sondern lang gewachsene.
    Yen Jay
    Reichskanzler - Nán Gōngjué - 8-9-3


    Zhídào dìpíngxiàn
    Bis zum Horizont
  • Sie muss bei der Geschichte über ihren Vater unweigerlich mit leicht gesenkten Blick lächeln. Ihre Mutter hatte ihr einst erzählt, dass des Kaisers letzte Worte auf Heikou seiner Familie und Long Ju galten, der damals persönlich anwesend war und ihr später etwas ganz ähnliches erzählte. Die sehr junge Prinzessin selbst war beim Zeitpunkt des Todes ihres Vaters nicht im Raum, und nur ganz bruchstückhaft kann sie sich an ihre Ankunft in Qianlongjing als Kaiserin erinnern. Aber die von Yen Jay erzählte Geschichte hat durchaus ihren Charme.


    Nun denn ...

    Diese Phrase benutzt sie manchmal sehr bewusst, um wie ihr Vater zu klingen, der, so sagte man ihr, diese wohl öfters gebrauchte; im Gegensatz zu diesem ist ihr Mienenspiel aber in den meisten und auch in diesem Fall deutlich freundlicher.


    ... nehmen wir einmal an, dieser Raum hier wäre der Sitzungssaal der Reichsversammlung und Ihr, ehrbarer Abgeordneter, solltet vor dem Plenum verfassungsmäßige Reformen vorschlagen. Wie sähen sie aus? Und wie gesagt, dies hier ist der Parlamentssaal, fühlt Euch also ganz frei zu sprechen.
    Qiánài Lí Tiānnǚ Huánghòu
    Tochter des Himmels, Göttlich Erhabene Kaiserin
  • Verfolgt sehr genau das Minenspiel der Kaiserin. Er erinnert sich, dass er es bereits einmal geschafft hat, dass sie - im Gegensatz zu Stillschweigen - "laut" wurde. Der temporäre Verlust des Lächelns, eine ablenkende Fortsetzungsfloskel ... Einer geduldigen Person in diesem Palast wurde er schon zu viel ...
    Allerdings ist er ein wenig im Zwiespalt, denn immerhin macht ihm die Unterhaltung durchaus Spaß, man spricht schließlich nicht jeden Tag mit einer Kaiserin.

    Nun, meine Kaiserin,
    die meiner Meinung nach notwendigen Reformen sind:
    1. Rückzug des Thrones aus allen politischen Angelegenheiten und Rückkehr zur moderativen Gewalt. Egal, was ihr auch tut: Ihr repräsentiert nun einmal nicht die Kinder der Erde und könnt dies auch nicht tun, denn Ihr repräsentiert nun einmal den Himmel.
    2. Die Staatsangelegenheiten sollen die gewählten Beamten des Volkes regeln. Alle Beamten, Diplomaten und Soldaten sollen vom Reichskanzler geführt werden, denn er hat die höchste irdische Legitimation. Er ist aus den Reihen des Volkes gewählt.
    3. Die Befreiung Chinopiens von allen ...
    - er stockt vor den nächsten Worten -
    ... supranationalen Ideen von ethnischer Vermischung und allumfassender Harmonie.
    Yen Jay
    Reichskanzler - Nán Gōngjué - 8-9-3


    Zhídào dìpíngxiàn
    Bis zum Horizont
  • Sie hört ihrem gegenüber aufmerksam und wirklich interessiert zu. Als Yen Jay fertig ist, stellt sie ihre Teeschale auf dem Tisch ab.



    Euch wird es nicht wundern, dass einige Eurer Ideen nicht die Meinen sind und auch nicht sein können. Dieses Reich ist schon alleine aufgrund seiner ethnischen und religiösen Minderheiten ein übernationales und zur Harmonie verpflichtet, es ist kein Nationalstaat im westlichen Sinne, sondern ein Zivilisationsstaat, der alle einlädt, an seinen kulturellen Errungenschaften teilzuhaben. Ich bin nicht nur Kaiserin der ethnischen Chinopen, sondern die des gesamten Reiches der Mitte, all seiner Ethnien, all seiner Religionen. Meine Vorfahren kamen einst aus den Steppen und Bergen ihrer Heimat im Nordosten und beseitigten die Verfehlungen der alten Dynastie zum Wohle aller.

    Vor allem der letzte Satz hört sich an, als ob sein Ursprung eine Antwort der alten Beamtenprüfungen entstammen würde, in der die Prüflinge u. a. auch die Herrschaft der Qing ausführlich rechtfertigen mussten. Da ihr viele, viele solcher Prüfungsbögen vorgelegt worden sind, ist es sogar gar nicht so unwahrscheinlich, dass sie ihn tatsächlich einst gelesen und im Hinterkopf behalten hat.

    Allerdings decken sich in den anderen Punkten zum größten Teil Eure Ideen mit Meiner Vorstellung der Ausübung der Herrschaft. Die kaiserliche Macht ist nicht in der alltäglichen Politik verankert, sie steht ruhend über dieser und hat für das Funktionieren des Staates zu sorgen. Wie heißt es so schön in der Verfassung: "Er wacht als Schiedsrichter über das ordentliche Funktionieren der staatlichen Institutionen, fungiert als Hüter sowie Förderer der Chinopischen Zivilisation und repräsentiert das Reich nach Innen wie nach Außen."

    Durch das kaiserliche Siegel wird denjenigen und auf die Weise die Amtsbefugnis in Meinem Namen übertragen, die durch Recht und Gesetz dafür vorgesehen sind. Nur wenn es absolut unumstößlich ist, zur Abwehr einer Gefahr für das Reich und das Volk, zur Abwehr einer schweren Krise der Institutionen, hat die kaiserliche Macht selbst einzugreifen.
    So verhält es sich auch beim Oberbefehl über die Streitkräfte: Dem Reichskanzler ist in Meinem Namen die volle innere und äußere Verwaltung übertragen; die Reichsregierung verwaltet die Streitkräfte; er ist der Erste Feldherr des Thrones. Er hat damit die Verantwortlichkeit für den Einsatz der Streitkräfte zu tragen. Dass ein Kaiser selbst Truppen in die Schlacht geführt hat, ist schon viele Jahrhunderte her, und Ich bin diesem Beispiel verpflichtet. Nur sofern die Situation zwingend etwas anderes erfordert - z. B., und der Himmel bewahre uns davor, kann leider auch der Reichskanzler in Erfüllung seiner Pflicht durch die Hand eines Feindes in den Kreis der Wiedergeburt aufgenommen werden -, werde Ich einen direkten Befehl erteilen. Die Ausübung Meines Oberbefehls besteht viel eher darin, durch das kaiserliche Siegel das Vorgehen unserer tapferen Truppen vor den himmlischen Mächte zu legitimieren und sie deren Unterstützung zu versichern und alle Soldaten und Befehlshaber in Moral und Tatkraft zu stärken.

    Ich würde dies nach Meiner Volljährigkeit übrigens gerne in einem Erlass präzisieren. Meint Ihr, Euer Hoher Vater würde diesem Ansinnen durch Rat und Tat zur Seite stehen?
    Qiánài Lí Tiānnǚ Huánghòu
    Tochter des Himmels, Göttlich Erhabene Kaiserin
  • Das breite Lächeln kehrt zurück.


    Es wäre Mir eine große Freude.

    Wenn der Großpräfekt noch im Raum wäre, hätte er wegen dieses Satzes wohl einen Herzinfarkt erlitten.

    Sprecht Eurem Hohen Vater also eine Einladung in diese Mauern aus; er ist jederzeit willkommen und soll jederzeit zu Mir geführt werden. Und sprecht auch Eurer Hohen Mutter eine Einladung aus, Ihren Gemahl zu begleiten, wenn sie dies wünscht.
    Qiánài Lí Tiānnǚ Huánghòu
    Tochter des Himmels, Göttlich Erhabene Kaiserin
  • Folgt mit den Augen dem Blick Yen Jays, wobei sie sich sehr schnell denken kann, wo er wohl hinführen wird. Er muss ja auch den Schock seines Lebens erhalten haben; wenn der Alte Phönix einmal anfängt zu brennen, können die Flammen sehr leicht überschlagen. Als die Kaiserin ihren Gegenüber wieder direkt ansieht, lächelt und nickt sie.

    Dann möget Ihr herausfinden, was Ihr zu suchen gedenkt.

    Die drei Gardisten treten fast synchron an die Tafel. Zwei treten hinter Yen Jay, einer neben die Kaiserin, als diese sich erhebt.

    Unser Gespräch hat mir viel Freude bereitet. Lasst es uns eines Tages erneut aufnehmen. Gardisten, sofern Mein Gast es wünscht, führt ihn an jeden öffentlichen Ort des Palastes, den er aufsuchen möchte.

    Gemeinsam mit dem einen Gardisten an ihrer Seite schreitet sie in Richtung des berühmten Vorhangs, ihr Kleid wogt mit jedem Schritt hin und her. Kurz bevor sie hinter das vond er Decke herabhängende Stück Stoff treten müsste und dahinter verschwinden würde, bleibt sie noch einmal unvermittelt stehen. Ihre Schultern und ihr Kopf drehen sich so nach links, dass ihr Gesicht mit dem darauf zu findenden bezaubernden Lächeln und dem Augenaufschlag vom Gästeplatz an Tafel aus im Profil zu erblicken ist.

    Übrigens ist es das goldene Pony, wie es sich für eine Kaiserin in Meinem Alter geziemt. Über die beiden anderen Pferde möchte allerdings der Großpräfekt noch mit Euch reden, denn Ich musste Meiner Mutter und Meiner Großmutter versprechen, diese nicht auch noch für Mich zu fordern, weil sie sie erstehen möchten. Drei wunderschöne Pferde für die drei kaiserlichen Damen.

    Lebt wohl, Yen Jay.

    Das Haupt der Kaiserin dreht sich wieder in Richtung des Vorhangs, hinter den sie wenige Augenblicke später tritt, ganz kurz bevor er erneut von hinten von einem Lichtschein erhellt wird, der schnell wieder vergeht.
    Qiánài Lí Tiānnǚ Huánghòu
    Tochter des Himmels, Göttlich Erhabene Kaiserin
  • Yen Jay erhebt sich unmittelbar nach der Kaiserin.
    Er dreht sich mit, damit Ihre Majestät ihn immer nur von vorn sieht.
    Er nimmt wortlos die Entscheidung bezüglich der Equitae zur Kenntnis.
    Danach wendet er sich an die Gardisten:

    Zum Großpräfekten, um die Sache abschließend zu klären. :)
    Yen Jay
    Reichskanzler - Nán Gōngjué - 8-9-3


    Zhídào dìpíngxiàn
    Bis zum Horizont